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"Mein Glaube hilft mir, frei durchs Leben zu gehen"

Erstellt von Kristina Hußmann
Interviews

Eine Verabredung mit Jasmin Bielski muss gut geplant sein. Sie selbst macht es einem überhaupt nicht schwer. Aber ihr steter Begleiter – ihr Rollstuhl – der muss mitmachen können.

Die junge Frau leidet an einer angeborenen Krankheit, die ihr das Gehen verwehrt. Zwar sind ihre Finger beweglich, doch auch in den Armen fehlt die Kraft. Für die „Das-ist-der-Hammer-Kampagne“ des Evangelischen Kirchenkreises Hagen stellt die Schülerin des Berufsbildungswerkes der Stiftung Volmarstein die Frage: „Was macht dich frei?“. Im Interview mit Kristina Hußmann hat die Münsteranerin ihre ganz persönliche Antwort gegeben.

 

  • Was bedeutet Freiheit für Sie?

Freiheit bedeutet für mich vor allem, dass ich über mich selbst bestimme. Dass ich entscheide, was ich mache und mit wem ich etwas mache. Dass ich zum Beispiel die Schule hier in Volmarstein besuchen kann, eröffnet mir neue Wege. Ich bin vorher in eine Schule für Körperbehinderte in Münster gegangen. Dort hatte ich aber nicht die gleichen Möglichkeiten. Hier werde ich zuerst meinen Hauptschulabschluss machen und dann die Handelsschule besuchen. Danach würde ich gerne eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau absolvieren. Dieser Weg wäre für mich kaum möglich, wenn es diesen Ort hier nicht gäbe, an dem das alles geschehen kann. Dass ich durch meine Behinderung immer auf Hilfe angewiesen bin und wenig spontan alleine machen kann, das ist schon manchmal sehr schade. Umso wichtiger ist es deshalb für mich, dass ich in einem Umfeld lebe, in dem es viele Möglichkeiten für mich gibt. Hier kann ich selbstständiger sein als anderswo. In diesem Sinne fühle ich mich frei. Ich komme gut zurecht.

  • Welche Rolle spielt Gott in Ihrem Leben?

Mein Glaube ist für mich ganz wichtig. Er hilft mir, frei durchs Leben zu gehen. Er gibt mir Kraft. Und wenn ich manchmal hadere mit meiner Situation, dann bin ich mir schnell wieder sicher, dass alles einen Sinn hat so wie es ist. Es gibt so viele Momente, in denen sich Menschen fragen können, wie das geschehen kann, wenn es einen Gott gibt. Die Antwort darauf kann nur in der Hoffnung liegen, dass unser irdisches Leben nur der eine Teil ist. Ich bete jeden Abend und danke für das, was ich habe.

  • Haben Sie einen Wunsch, den Sie in Ihre Gebete einschließen?

Ich bete nicht für ein Wunder, falls Sie das meinen. Meine Wünsche und Träume sind ganz praktisch. Es wäre zum Beispiel ganz toll, wenn ich mal nach London reisen, oder einmal gemeinsam mit meinem Freund, der auch im Rollstuhl sitzt, in den Urlaub fahren könnte. Für die meisten Menschen ist das selbstverständlich. Für uns beide wäre es ein echtes Geschenk.