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„Habe mir Gleichberechtigung erarbeitet"

Erstellt von Kristina Hußmann
Interviews

Jens Oppermann hat für seine Familie zeitweise seinen Arbeitsplatz geräumt. Und er würde es wieder tun.


Oppermann ist IT-Experte für IT bei der Sparkasse Hagen-Herdecke. Als vor neun Jahren seine Tochter zur Welt kam, hat er seinen Arbeitsplatz für zwei Jahre geräumt und sich um die Familie und den Haushalt gekümmert. Heute arbeitet Jens Oppermann in Teilzeit. Seine Frau ist nach wie vor mit einer Vollzeitstelle als Lehrerin beschäftigt. Für die „Das-ist-der-Hammer-Kampagne“ stellt der 42-Jährige die Frage „Wie gleichberechtigt bist du?“

  • Warum haben Sie sich vor neun Jahren zu einer vollständigen Elternzeit entschieden? Warum Sie und nicht Ihre Frau?

Die Frage ist interessant, weil sie direkt den Kern der Sache trifft. Entscheidet sich eine Mutter dazu, Elternzeit zu nehmen, hinterfragt das niemand. Bei Vätern sieht das anders aus. Dabei war die Sache für uns genauso klar, wie in anderen Familien auch. Unser Kind ist auf der Welt, einer von uns beiden wird dafür beruflich kürzer treten. Wir haben uns ganz pragmatisch für mich entschieden. Davon ist zunächst einmal unabhängig, dass ich es sehr gerne getan habe und keinen Tag dieser Zeit missen möchte. Was die Gesellschaft als klassischen Rollentausch betrachtet, war für uns ganz normal. Dem immer noch dominanten Rollenverständnis begegnen Männer und Frauen übrigens auch beim Wiedereinstieg in den Beruf: Frauen brauchen etwas zu tun als Ausgleich zum Leben als Mutter und Hausfrau. Männer bringen wieder Leistung.

  • Wie hat denn Ihr Arbeitgeber auf Ihren Wunsch nach Eltern- und Teilzeit reagiert?

Mein Arbeitgeber hat sehr positiv reagiert. Ich bin allerdings auch ganz offen damit umgegangen und habe die Übergangsregelung im Vorfeld mitgestaltet. Ich weiß aber, dass das nicht immer so ist. Viele Männer bekommen auf eine Anfrage nach Elternzeit auch ein sehr negatives Feedback nach dem Motto: Wenn du gehst, kommst du an diese Stelle nicht wieder. Wäre das bei mir so gewesen, hätte ich dennoch so entschieden.

  • Welches Feedback haben Sie von den Menschen in Ihrem privaten Umfeld bekommen?

Viele Menschen können mit dieser Rollenverteilung noch immer nicht so viel anfangen. Ich erinnere mich an erste Spaziergänge mit dem Kinderwagen am Vormittag. Die Leute blieben tatsächlich stehen. Ich wurde skeptisch beäugt. Es ist einfach nicht das gewohnte Bild. Sogar in unserer Kirchengemeinde haben manche Gemeindemitglieder irritiert reagiert. Auch christliche Medien transportieren sehr oft noch die klassischen Rollenbilder. In unserem Alltag als Vater-Tochter-Gespann habe ich viele gute Erfahrungen gemacht. In sämtlichen Gruppen war ich immer der einzige Papa. Das war auch für die anderen Kinder etwas Besonderes. In diesem Kontext haben uns viele Familien gesagt, dass sie unsere Entscheidung toll und bemerkenswert finden, für sich aber keine Möglichkeit sahen, das auch so umzusetzen.

  • Wie gleichberechtigt fühlen Sie sich inzwischen?

Mittlerweile fühle ich mich absolut gleichberechtigt. Das habe ich mir gerne erarbeitet. Grundsätzlich finde ich aber, dass die Familie in unserer Gesellschaft und damit auch aus ökonomischer Sicht viel mehr wertgeschätzt werden müssten,  und dass auch von politischer Seite die Tatsache unterstützt werden müsste, dass vom Engagement für die Familie die gesamte Gesellschaft profitiert. Wenn das so wäre, müssten sich weder Männer noch Frauen Zeit für Kinder und Familie an vielen Stellen hart erkämpfen.

  • Hat auf Ihrem persönlichen Weg zur Gleichberechtigung Ihr Glauben eine Rolle gespielt?

Glaube spielt in unserer gesamten Familie eine zentrale Rolle, auch im Alltag. Die Gemeinde ist ein Stück Heimat. Ehrenamtliches Engagement und ein grundsätzlich mitmenschliches Miteinander gehören für uns selbstverständlich dazu. Insofern hat der Glaube sicherlich mein Verständnis von Familie und Gemeinschaft geprägt und die Werteorientierung meine Entscheidung bestärkt.